Stark nach dem Motto „Ich habe mir Zeit dafür genommen. Im Nachhinein wünschte ich, ich hätte sie genutzt“ ist auch die Bilanz nach einem Besuch auf der diesjährigen IAA mit den Eindrücken zu den „Virtual Reality“ (VR) Angeboten. Viele Automobilhersteller haben dieses Jahr auf digitale Unterstützung von VR-Brillen gesetzt. Autorennen fahren, Produktinformationen vermitteln, Assistenzsysteme vorstellen, Marken kennenlernen oder eine digitale Probefahrt durchführen.

Mercedes-Benz S-Klasse

Hyundai Racing Simulator

BMW Testdrive

Von der Idee her ganz nett‘ – in der Umsetzung hakt es aber gewaltig!

Zusammenfassend: Dürftige Storyline, kaum Bezug zur Marke oder zum Produkt, Funktionsfähigkeit war schlichtweg nur „OK“ und die Bildqualität hat meistens auch nicht begeistert.

Die INCOVIS Digitalisierungs-Experten haben die VR Angebote auf der IAA intensiv unter die Lupe genommen und nach den folgenden Kriterien bewertet: Transfer auf die Marke, Qualität des Contents, Usability, Funktionsfähigkeit, Interaktionsmöglichkeiten, Storytelling und Standbetreuung. Das Ergebnis ist ernüchternd, selbst die TOP TEN erreichen kaum die Hälfte der möglichen Bewertungspunkte (maximal 70 Punkte waren zu erreichen).

Wie gut ist die Verbindung von dem Erlebnis zur Marke? Weiß man zwei Stände weiter noch bei welchem Hersteller die virtuelle Probefahrt war. Kennt man das genaue Produkt noch? Eher nicht. Der Bezug zur Marke kommt meist nur durch das Logo auf dem Lenkrad. Einen wirklichen Bezug zum konkreten Produkt gibt es nicht. Darüber hinaus ist der Effekt aufgrund von schlechter Verarbeitung der Hardware, einem unbequemen Sitz oder schlechter Qualität des Contents in fast allen Fällen negativ zu bewerten.

Heiko Dehning, Senior Partner der INCOVIS AG, hat eine klare Meinung zu VR-Brillen. „Wie soll eine VR-Brille, die nur ein visuelles Erlebnis in den Mittelpunkt stellt, aber nicht alle 7 Sinne berücksichtigt oder teilweise nur schlecht bedient, eine zufriedenstellende Performance bringen? Das ist nur unzureichendes Stückwerk!“

Selbst der „Digitale Champion der IAA 2017“: Mercedes Benz mit dem „Intelligent Drive in der S-Klasse“, bei dem hautnah die Sicherheits-Features „erfahren“ werden können, knackt gerade mal die 37 Punkte-Marke. Hier sitzt der Proband in einer „echten“ S-Klasse und der Content wird über Screens im Außenbereich vermittelt. Fairerweise ist auch hier anzumerken – das ist keine VR.

Nachfolgend der Gesamtüberblick über die getesteten Top Ten VR-Angebote der IAA 2017.

Überblick über alle VR Angebote auf der IAA 2017 mit den dargestellten Bewertungskriterien. Je Kriterium gibt es eine Bewertungsskala von 0 – 10 Punkte.